Ratz und Rübe
Februar 2009
Letztes Wochenende bekam ich einen Hilferuf. Es sei ein Wurf Waschbären gefunden worden. Von vieren waren bereits zwei tot. Und von den beiden Überlebenden sei eigentlich nur einer etwas aktiv, der andere "läge nur auf der Seite"!
Eile war angesagt. Zusammenpacken von heißem Wasser, Aufzuchtsmilch und Utensilien - ab ins Auto und los! Zuvor den Finder noch zum Entgegenfahren "verdonnern", um Zeit zu sparen.
Beim Treffpunkt angekommen, musste ich die Finder davon überzeugen, dass sie keine Waschbären, sondern Füchse gefunden hatten.
Schwieriges Unterfangen, da sie bereits von mehreren Leuten als Waschbären identifziert worden waren.
"Ja, wenn das Füchse sind, was machen wir jetzt??"
"Das gleiche wie bei Waschbären - füttern!!"
Gesagt, getan.
Erst mal gucken, was was ist - ah ja, eine Fähe, etwas lebendiger und ein Rüde, naja, total ausgekühlt und ziemlich halbtot.
Die Milch wurde etwas dünner angerührt, damit sie leichter verdaulich war. Zuerst kam der Rüde (Ratz) dran, er hatte es deutlich nötiger. Aber er war bereits so erschöpft, daß er nicht mehr trinken wollte. Also bekam er die Milch zwangsweise tropfenweise eingetrichtert, nach 5 ml hörte ich für´s erste auf. Das Mädel (Rübe) ließ sich nicht lange bitten, sie bekam 10 ml.
Danach schliefen beide ein.
Nachdem ich wieder zuhause war, ging`s mit der Fütterei weiter. Die kleine Fähe wurde zusehens mit jeder Milchladung aktiver, der Rüde wurde zwangsernährt. Ich hatte echte Bedenken, ob er die Nacht überstehen würde.
Am nächsten Tag hatten sich beide deutlich berappelt. Die Milchmenge belief sich dann auf 30 - 40 ml, die sie beide jeweils verputzten. Auch Ratz forderte jetzt seinen Anteil. Jetzt war ich sicher, daß beide überleben werden.
Nachmittags konnten wir dann ein paar schöne Bilder von unseren "Waschfüchsen" im Garten machen. Als Anhaltspunkt: Sie waren ca. 18 - 20 Tage alt, hatten die Augen also noch nicht so lange offen und jeder war ein "kleines Händchen voll".
Mittlerweile habe ich sie an einen befreundeten Förster weitergegeben, der als anerkannte Wildtier-Pflegestation gemeldet ist. Dort wachsen sie jetzt mit 4 weiteren Fuchswelpen auf und werden zu gegebener Zeit ausgewildert.
Nun die Bilder. Man kann beide unterscheiden: Die Fähe Rübe hat etwas glatteres Fell, der Rüde Ratz ist etwas wuschliger.
Sabine Haibach