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Frischling

Auch nach vier Jahren wartet TierfreundLich auf Antwort

Tierschützer fragen sich, was aus "überzähligen" Fund- und herrenlosen Tieren werden soll.

(kr). Man schrieb das Jahr 2006, als TierfreundLich erstmals in Gießen anfragte. Die Tierschützer baten das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz um eine fachliche Auskunft über den Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten für Fundtiere und herrenlose Tiere. Vier Jahre und etliche Anfragen später weiß man in Lich immer noch nicht über zwei Dinge Bescheid: Was soll mit Fundtieren passieren, die aus Kapazitätsgründen nicht im Tierheim Gießen aufgenommen werden können? Und wer ist für die Wildtiere zuständig, die bei TierfreundLich tierärztlich versorgt wurden und nun wieder ausgewildert werden sollen?

Weder vom Landrat noch vom zuständige Dezernenten, Siegfried Fricke, sei auf ein halbes Dutzend Anfragen im ersten Jahr eine Antwort gekommen, bedauerten gestern die Vorsitzende, Sabine Haibach, ihre Vertreterin, Dr. Cornelia Conrad, sowie Andrea Allamode und Ilona Kreiling für den Tierschutzverein. Die Beantwortung falle in die Zuständigkeit des Amts für Veterinärwesen. Wenn man die Diskussion über die Versorgung von Fundtieren sachlich führen wolle, müsse der Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten bekannt sein. Fundtiere sind "aufgefundene Tiere, die üblicherweise vom Menschen gehalten werden" wie Hunde und Katzen. Herrenlose Tiere sind Tiere, die "noch nie im Eigentum einer Person standen", also beispielsweise der halbverhungert aufgefundene mutterlose Wildschwein-Frischling und der Igel, der ohne menschliche Hilfe den nächsten Winter nicht überstehen würde.

Bei den Haibachs wird zurzeit überall im Haus gegessen, nur nicht im Esszimmer. Dort sind sämtliche Stühle und der Tisch nämlich mit Käfigen vollgestellt. In den Käfigen wiederum sitzen Wildtiere, die den Tierschützern gebracht wurden. Im Haibachschen Wohnzimmer wird derzeit das dritte Wildschweinferkel dieses Jahres aufgepäppelt. TierfreundLich weist immer wieder darauf hin, dass man nicht jedes scheinbar verlassene Jungtier "aus der Natur entnehmen" soll. Aber auch die Fälle, in denen Frischlinge, Marder, Vögel, demnächst wieder Rehkitze und andere herrenlose Tiere wirklich menschliche Hilfe brauchen, nehmen den Tierschutzverein voll in Anspruch. Anfang bis Mitte Mai, wegen des harten Winters vielleicht auch etwas später, werden wieder zahlreiche neugeborene Jungtiere versorgt werden müssen.

Weil Tierschutz im Grundgesetz ranggleich mit Naturschutz verankert ist, ist für die Tierschützer klar, dass sie beispielsweise Frischlinge, deren Mütter von Jägern erlegt wurden, in den vergangenen kalten Wochen nicht verhungern oder erfrieren lassen durften. In der Jahreshauptversammlung von TierfreundLich wurde es kurz vor Ostern als "Katastrophe" bezeichnet, dass der Langgönser Förster Bernd Baumann seine Wildtierstation schließen musste. Da es keinen Ersatz gibt, nehme niemand außer TierfreundLich im ganzen Regierungsbezirk noch Wildtiere auf. Es gebe außerdem überhaupt keine Auswilderungsstation mehr.

"Wir hängen in der Luft" sorgt sich Cornelia Konrad kurz vor der Wildtiersaison 2010. Nach dem Tätigkeitsbericht, der in der Hauptversammlung verlesen wurde, hat TierfreundLich im vergangenen Jahr 134 Wildtiere betreut. Darunter waren 103 Igel. Einschließlich der Heimtiere (meist Katzen) gab es 2009 exakt 35765 "Versorgungstage". An jedem Tag des Jahres wurden also rechnerisch 98 Tiere versorgt, und darin sind die Igel nicht einmal eingerechnet. Die Vorstandsmitglieder des interkommunal tätigen Licher Tierschutzvereins haben gestern darauf hingewiesen, dass ihre völligen ausgelasteten ehrenamtlich tätigen Mitglieder, die Tierpflegestellen betreiben, von Tierfreunden oft gesagt bekommen, sie "müssten" sich um sämtliche Fundtiere und herrenlose Tiere kümmern, egal, wieviele es gibt. Aus dem zuständigen Dezernat der Kreisverwaltung war gestern keine Auskunft über die Unterbringung "überzähliger" Fundtiere und herrenloser Tiere zu erhalten.

Quelle: Gießener Anzeiger vom 07.04.2010/Bild: Privat.


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