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„Für so ein Tier ist keiner zuständig“

20.05.2011 - LICH

700 Gramm Wildschwein werden in Lich aufgepäppelt

(kr). Am Sonntagabend tauchte die damals noch namenlose Hilde im eingezäunten Garten einer Familie im Laubacher Dörrenbergweg auf. 700 Gramm Wildschwein, erst wenige Stunden alt, und von der Mutter weit und breit keine Spur. Es brauchte ein wahres Telefonmarathon, bis die Stelle gefunden war, die sich nicht für nichtzuständig erklärte: Der Tierschutzverein TierfreundLich.

„Wir wollten es nicht zum Jäger bringen“ nannte Hildes Entdeckerin den Grund für die schwierigen Bemühungen. Zunächst wandte sich die Familie an eine Tierärztin, dann an den Tierschutzverein in Laubach. Dort hängte sich jemand ans Telefon und versuchte herauszubekommen, wer einem mutterlosen Jungtier helfen könne. Zu den Auskünften bei 15 Anrufen gehören auch Ratschläge wie „Bringen Sie es in den Wald, die Natur erledigt das von selbst“.

Hilde nuckelt

"Hilde nuckelt" / Foto: Hogen-Ostlender

 

Bei solchen Sätzen sträuben sich Dr. Cornelia Konrad die Nackenhaare. Die Tierärztin ist die 2. Vorsitzende von TierfreundLich, eines Vereins, der sich engagiert auch um verletzte oder mutterlose Wildtiere kümmert. Die Tierschützerin päppelt den Frischling auf. Anfangs gab es alle zwei Stunden Aufzuchtmilch, mit einer kleinen Pause nachts. Jetzt schläft Hilfe schon von zwei Uhr morgens bis gegen acht durch, hat 250 Gramm zugenommen und damit wohl wieder ihr durch Austrocknung reduziertes Geburtsgewicht erreicht. Immer noch schleppt sie Reste ihrer Nabelschnur mit sich herum, die aber bald abfallen werden. Was anfangs zweifelhaft war, stellte Cornelia Konrad gestern Nachmittag erfreut fest: „Hilde ist wohl über den Berg“.

In etwa drei Monaten wird sie nicht ausgewildert, sondern von TierfreundLich an einen Wildpark vermittelt. Cornelia Konrad ist erzürnt über den neuerlichen Fall eines Stafettenlaufs von Menschen, die einem schutzlosen Jungtier helfen wollen: „Keine Stelle, keine Behörde will zuständig sein. Die Leute werden ja praktisch aufgefordert, wegzuschauen, wenn sie so einen mutterlosen Frischling entdecken“. Die Tierärztin kann nicht verstehen, dass einerseits viel Wert darauf gelegt wird, Wildtiere in ihrem Lebensraum nicht zu beeinträchtigen, dass aber dann, wenn das Tierschutzgesetz greifen sollte, Tierschützer sich selbst überlassen werden.

Quelle: Gießener Anzeiger vom 20.05.2011


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