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Wildvogelstation:
Helga Sheppard
06402 9239

 

  
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Aktueller Appell von Vogelschützern: Hände weg von jungen Vögeln!
Von Wilma Wadewitz

REGION. Wer das Glück hat, unter ihre „Fittiche" zu kommen, hat eine Überle­benschance. So, wie derzeit die vier Meisen und das Rotkehlchen im „Zimmer-Kä­fig", der Waldkauz in seinem „Karton-Nest" und die drei „Neuen" im Baumwolltuch: eine kleine Amsel, ein Sper­ling und eine Blaumeise -noch ganz winzige Nestlinge mit weichen Flaumfedern.
Hunderte von verletzten oder noch nicht flugfähigen Vögeln sind in den vergangenen 25 Jahren durch die Hände von Helga Sheppard aus Hungen gegangen, wurden gepflegt und genährt und wieder in die Freiheit gelassen. Nicht immer aus echter Notwen­digkeit, sondern oft aus falschem Mitleidgefühl von Menschen, die scheinbar hilflosen flüggen Vögeln helfen wollten, sie mitnahmen und dann am Ende nach vergeblichen Aufzuchtversuchen die fast ver­hungerten Tiere zu Helga Sheppard brachten. Besonders jetzt, wenn viele Jungvögel flügge werden, empfindet Helga Sheppard das Mitnehmen von jungen Vögeln als Drama, denn die meisten Vögel werden zu wenig, falsch oder gar nicht gefüttert und sterben so.
Doch es gibt auch andere Fälle: Die Waldohreule „Hedwig" etwa, die nach einer Baumfällfaktion als einziger verletzter Vogel überlebte oder ein komplettes Zaunkönignest mit sieben winzigsten Vögelchen, die Kinder beim Spielen fanden und die rechtzeitig gepflegt werden konnten.
Offiziell ist ihr Haus als Pflege­station und erste Anlaufstelle für aufgefundene Sing- und Greifvö­gel sowie Eulen anerkannt. Und mittierweile hat die ehemalige Grundschullehrererin mehr als 90 verschiedenen Vogelarten eine „Ersatz-Kinderstube" geboten, da­runter waren Pirole, Eisvögel, sel­tene Wespenbussarde, Uhus und mehrere Kuckucke.
„Das Schlimmste ist die Unwis­senheit vieler Menschen um Brut-und Aufzuchtverhalten von Vö­geln. Drei Grundregeln sollten sich alle wirklichen Tierfreunde mer­ken: Erstens: Flügge Vögel sitzen lassen, allenfalls unter Büschen vor „Räubern" verbergen.

Nestlinge brauchen stündlich Futter
Verletzte Vögel müssen in die Vogelklinik

Die Jungtiere durchleben näm­lich nachdem sie das Nest verlassen haben eine so genannte „Betteiflugphase" und werden von den Eltern auch noch am Boden ver­sorgt. Flügge Vögel erkennt man daran, dass sie hüpfen, manchmal schon flatten können und sich an einem Zweig (oder Finger) festhal­ten können. Zweitens: So genannte „Nestlinge" die noch nicht befie­dert sind, sollten in einer Pflegesta­tion abgegeben werden. Da die Vögel stündlich Futter brauchen kann als „Erste-Hilfe-Mahl" ein hartgekochtes Eigelb mit Mager­quark vermischt mit einer Spritze (ohne Kanüle) in das weit geöffnete Schnäbelchen gesteckt werden. 95 Prozent aller Jungvögel werden mit Insekten großgezogen, also vertra­gen sie keine Körner oder Haferflo­cken. Keine Angst übrigens vorm Anfassen. Nur Säugetiere akzep­tieren manchmal ihren Nachwuchs nicht mehr, wenn er von Menschen angefasst wurde. Bei Vögeln ist das kein Problem. Nester, die herunter­gefallen sind, zum Beispiel Schwalbennester, können einfach durch einen Karton (mit Heu aus­kleiden) ersetzt und an die Wand genagelt werden. Die Eltern-Vögel füttern dann weiter. Drittens: Alle verletzten Vögel, egal welcher Art, müssen in das Geflügelinstitut (be­kannt als „Vogelklinik") nach Gie­ßen gebracht werden. Man kann sie auch bei mir abgeben", erklärt sie.
Alles, was Helga Sheppard weiß, hat sie sich selbst beige­bracht, hat viel nachgelesen, sich im Nabu engagiert, im Gespräch mit Experten gelernt. Und heute bekommt sie Anfragen zu aufge­fundenen Vögeln nicht nur aus ganz Deutschland, aus Berlin, Brandenburg, Bayern, sondern seibst aus Frankreich. Besonders hat sie sich in der Vergangenheit gefreut, wenn sie seltene Vögel zum „Aufpäppeln" bekam, bei­spielsweise die seltene Rohrweihe, einen Greifvogel, oder eine Dreize­henmöwe, die eigentlich nur im Norden lebt.
Aber richtig stolz ist sie auf Hedwig, eine Waldohreule, die sie lange Zeit beherbergte und die ihre „Pflegemutti" sogar nach der Aus-wilderung in der Greifvogelstation in Oberbiel wiedererkannte und sich auf ihre Schulter setzte. „Als ich sie freiließ, tat mir der Abschied schon sehr weh", gesteht sie.„Aber wer die Tiere wirklich liebt, der weiß, dass die Freiheit für sie das Beste ist."


Wichtige Kontaktstellen:

Telefonische Anfragen:
Hungen-Nonnenroth: 06402 9239 / Biebertal, Karl Herrmann: 06409 2841 / Pflegestation Maintal-
Dörnigheim: 06181 493545 / Greifvogel­station Oberbiel: 06441 51542 / Geflügelinstitut Gießen: 0641 9938432

Anfragen zu Fledermäu­sen: Heuchelheim, 0641 65108

Anfragen zu Mauerseglern: Mau­erseglerstation Frankfurt, 069 398529.


© 2007 www.providerland.de - Letzte Änderung: 23. Jun 2010